Bewältigung traumatischer Erfahrungen durch Narrative Expositionstherapie (NET)
„Mitten im Winter habe ich erfahren,
dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt.“
— Albert Camus
Die Narrative Expositionstherapie (NET) ist eine wissenschaftlich fundierte und wirksame Methode zur Behandlung von Menschen, die wiederholt oder über längere Zeit traumatischen Belastungen ausgesetzt waren. Sie wurde insbesondere für Überlebende multipler und anhaltender traumatischer Erfahrungen entwickelt, beispielsweise nach häuslicher Gewalt, organisierter interpersoneller Gewalt, Krieg, Flucht, Naturkatastrophen oder schweren Erkrankungen.
Traumatische Erfahrungen hinterlassen häufig Spuren, die das Leben noch lange nach dem eigentlichen Ereignis beeinflussen können. Erinnerungen drängen sich auf, bestimmte Situationen werden vermieden oder das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen geht verloren. Die NET unterstützt dabei, belastende Erlebnisse schrittweise zu verarbeiten und sie als Teil der eigenen Lebensgeschichte einzuordnen.
Ein besonderes Merkmal der Methode ist, dass nicht nur die traumatischen Erfahrungen betrachtet werden. Auch positive, stärkende und bedeutsame Lebensereignisse finden ihren Platz. Sie erinnern an persönliche Ressourcen, an Kraftquellen und an all das, was neben dem Leid ebenfalls zum eigenen Leben gehört.
Gemeinsam erstellen wir zunächst eine sogenannte Lebenslinie, auf der wichtige Ereignisse Ihres Lebens sichtbar werden – sowohl die schönen als auch die belastenden. In den folgenden Sitzungen werden die traumatischen Erfahrungen behutsam und strukturiert bearbeitet. Ziel ist es, die Erinnerungen in einen Zusammenhang zu bringen, die belastende Wirkung der Erlebnisse zu reduzieren und die eigene Lebensgeschichte wieder als Ganzes wahrnehmen zu können.
NET legt dabei nicht nur den Fokus auf die Heilung der seelischen Wunden. Die Methode würdigt auch das erlittene Unrecht und gibt den Erfahrungen einen Platz und eine Stimme. Für viele Betroffene bedeutet dies, das Schweigen zu durchbrechen und die eigene Geschichte mit mehr Selbstbestimmung und Würde betrachten zu können.
Die Vergangenheit lässt sich nicht verändern. Doch die Art, wie sie in unserer Lebensgeschichte ihren Platz findet, kann sich wandeln
Ablauf der Behandlung
1. Sitzung – Kennenlernen und Anamnese
In einem ausführlichen Gespräch lernen wir uns kennen und besprechen Ihre Lebensgeschichte, aktuelle Belastungen und Ziele.
2. Sitzung – Die Lebenslinie
Gemeinsam erstellen wir eine Lebenslinie, auf der positive, prägende und traumatische Ereignisse Ihres Lebens sichtbar werden.
Weitere Sitzungen – Bearbeitung der Erlebnisse
Anschließend erfolgt die eigentliche therapeutische Arbeit. Je nach Umfang der belastenden Erfahrungen sind in der Regel etwa 6 bis 8 Sitzungen erforderlich. Diese finden als Doppelsitzungen von etwa 90 bis 120 Minuten statt, um ausreichend Zeit für die Bearbeitung der Erlebnisse zu ermöglichen.
Im Vergleich zu vielen anderen traumatherapeutischen Verfahren zeichnet sich die Narrative Expositionstherapie durch eine vergleichsweise kurze Behandlungsdauer aus. Gleichzeitig bietet sie einen klaren und strukturierten Rahmen, der es ermöglicht, belastende Erfahrungen wirksam zu verarbeiten und die eigenen Ressourcen zu stärken.
